Dienstag, 17. März 2009

Von Delfinen und Albatrossen, Mordor und windy Welly

Kaikoura war unsere letzte Station auf der Südinsel. Die Stadt ist ein Mekka für alle Freunde von Seevögeln und marinen Säugern: unmittelbar vor der Küste stürzt der Meeresboden auf über 2000 Meter Tiefe ab, deshalb wird reichlich Futter nach oben gespült, und deshalb ist Kaikoura ein beliebter Futterplatz für durchreisende Wale und ansässige Delphine, außerdem gibt es reichlich Robben und allerlei Seevögel.

Leider holte uns in Kaikoura der neuseeländische Herbst ein und vereitelte das Sichten von Walen und das Schwimmen mit Delphinen. Auf der Suche nach den Walen (die leider immer gerade abgetaucht waren, wenn wir mit dem Boot ankamen), bekamen wir aber immerhin Albatrosse zu sehen. Riesengroße Vögel und begnadete Segler, die 90% ihres Lebens auf See verbringen und davon die meiste Zeit knapp über den Wellen segeln. Sie flogen so dicht vor dem Bug des Bootes entlang, dass man im Vorbeifliegen die „Tränen“ auf dem Schnabel sehen konnte, mit denen sie aufgenommenes Meersalz ausscheiden.

Nachdem das Delphinschwimmen witterungsbedingt ausgefallen war, haben wir die Kaikoura-Halbinsel zu Fuß umrundet und dabei immerhin diverse Robben aus nächster Nähe bewundert: nachdem sie im Wasser bis zu 30 Stunden lang auf der Jagd sind, kommen sie an Land um sich dort auszuruhen. Vor allem die männlichen Vertreter ihrer Gattung sind dabei kaum von irgendetwas aus der Ruhe zu bringen - weder von der tosenden Brandung noch von knipsenden Touristen, für die sie allenfalls einen gelangweilten Blick übrig haben und dann weiterdösen.

Als besonderes Highlight durften wir noch einen Schwarm Delphine bei der Jagd beobachten: sicher an die 100 Tiere, die zunächst mit allerlei Sprüngen und Salti Richtung offenes Meer schwammen, um dann mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Land zurück zu jagen.

Ein großartiges Schauspiel, das uns ein bisschen mit dem Wetter versöhnte. Trotzdem machten wir uns schleunigst auf den Weg Richtung Norden, des besseres Wetter versprach. Bevor wir in Picton die Fähre über die Cook Strait nahmen, trafen wir uns noch mit Vanessa, die wir aus Göttingen kennen, und tauschten Reiseerfahrungen aus.

Wellington kam unserem Bedürfnis nach Sonne sehr entgegen und präsentierte sich mit Sonnenschein über der Bucht. Und entgegen seinem Beinamen "windy Welly" war es gar nicht windig, sondern wunderbarstes Wetter. Wie wir bei der Ankunft herausfanden, fand an der Ufer promenade gerade ein großes Musikfestival statt – was bedeutete, dass die Stadt an diesem Wochenende proppevoll mit Besuchern aus ganz Neuseeland war; an einem Tag in Wellington sind wir vermutlich mehr Menschen begegnet als in den vier Wochen auf der Südinsel zuvor.

Der starke Besucherandrang zog zunächst auch ein gewisses Unterkunft-Problem nach sich, da alle Hostels ausgebucht waren. Das verstand das Touri-Büro aber im Handumdrehen zu losen, so dass wir bald unser Bett in einem B&B geregelt hatten und so den Tag noch entspannt in den Cafés und Kneipen dieser freundlichen Stadt verbringen konnten.

Ein kleiner (aber angenehmer) Kulturschock war es schon: seit unserem Abflug in Sydney waren wir fast nur noch in kleinen Städten und Städtchen gewesen (vielleicht mal abgesehen von Christchurch und Dunedin - aber selbst die kamen uns, die wir frisch aus Bangkok und Sydney kamen, recht klein vor). Und auf einmal gab es wieder Wolkenkratzer, viele Menschen mit allerlei Hautfarben, Plattenläden und trendige Bars, die man eins zu eins nach Kreuzberg oder Friedrichshain transferieren könnte.

gibt's in Ranfurly nicht, solche hohen Häser

Auf der Promenade mischten wir uns unter die Festivalgänger und genossen die Atmosphäre, dann ließen wir uns vom Cable Car auf einen der Hügel der Stadt ziehen und liefen durch den Botanischen Garten zurück. Das berühmte Nationalmuseum Neuseeland, Te Papa, sparten wir für den nächsten Vormittag auf, den wir dann auch ausgiebig mit einer Führung und ausgedehntem Schlendern durch die diversen Ausstellungen nutzten. Das Museum hat nicht nur viele Höhepunkte wie ein Riesenkrake und komplette Maori-Häuser, sondern bietet vor allem spannend, häufig interaktiv aufbereitet allerlei Infos über Geschichte, Kultur und Natur des Landes.

Bevor wir uns dann weiter auf den Weg nach Norden gemacht haben, haben wir kurz noch den Mount Victoria erklommen - einen kleinen Aussichtshügel südlich der Stadt, mit prächtigem Blick auf downtown Wellington und die umgebenden Buchten und Hügel, und den Bergen der Südinsel in weiter Ferne.

Die Fahrt zu den berühmten Vulkanen der Nordinsel, Ruapehu, Tongariro und Ngaruhue, zog sich dann ziemlich lange hin, aber dafür begrüßte uns ein strahlender Tag für unsere nächste Wanderung, das beliebte Tongariro Alpine Crossing. Anders als bei unseren Wanderungen auf der Südinsel handelt es sich dabei um eine Tagestour.

Da man nicht übernachten muss, wird die Zahl der Besucher also nicht automatisch durch die Zahl der verfügbaren Betten auf den Hütten reguliert. Deshalb kann es auf dem Weg recht voll werden - vor allem zu Beginn des Weges, wenn sich mehrere Busladungen gleichzeitig auf den Weg machen, muss man sich den Weg mit einigen hundert anderen Wanderern teilen.

Aber es lohnt sich: Der Weg führt am Fuß der Ngaruhue entlang, der so schön symmetrisch ist, dass er im „Herrn der Ringe“ die Rolle von Mount Doom spielte, und über den Rand des eher flachen Tongariro, durch eine bizarre Mondlandschaft aus erstarrter Lava und Basaltblöcken.

Wenn man die ersten paar hundert Höhenmeter erklommen hat, lauft man durch zwei riesige Krater hindurch und an einem noch aktiven, dampfenden Krater, dem Red Crater, entlang. Die Farbenspiele der Felswüste sind sehr beeindruckend, besonders wenn man zu den grünen Kraterseen kommt.

Hinunter rutscht man mehr als dass man lauft über einen Abhang aus Geröll und Asche und kommt über den Kraterrand und vorbei an heißen Quellen schließlich wieder in den Wald. Die ganze Wanderung hat einen ganz anderen Charakter als unsere Touren auf der Südinsel, statt frischer Bergluft riecht es nach Schwefel, und die landschaftlichen Reize sind eher was für Gesteinsliebhaber, aber die Aussichten über die Krater und bis hin zum Lake Taupo sind auch hier wunderschön.

Den Rest des Tages genossen wir im gemütlichen Garten unseres Hostel in Turangi am Lake Taupo, den wir heute gerne genauer erkundet hätten. Leider spielte uns die Wettervorhersage einen fiesen Streich, indem sie heute morgen von tagelangem Sonnenschein auf Wolken und Nieselregen wechselte. Zum Besuch der thermalen Aktivitäten in der Gegend wird es aber wohl noch reichen, und dann schauen wir mal weiter.

1 Kommentar:

GRS hat gesagt…

Ihr lieben Beiden,
gut daß Ihr uns genauere Informationen gebt. Gestern nacht habe ich die Tsunami-Warnung auf ntv gesehen...
Hier fängt man an zu ahnen, daß kalendarisch gerade Frühlingsnanfang ist.
Liebe Grüße!
GRS