Mittwoch, 11. März 2009

Tasman zu Fuß und zu Boot

Nachdem wir auf den Routerburn- und Kepler-Tracks hoch hinaus gekraxelt waren, haben wir den dritte unserer "Great Walks" etwas flacher gehalten: Der Abel Tasman Coast Track führt für drei bis vier Tage an allerlei Traumstränden vorbei, mit Ausblicken weit über die blaue, blaue See. Dementsprechend gibt es wenig große Steigungen. Und wie die anderen Great Walks auch ist der Weg bestens präpariert und entsprechend bequem zu laufen - man muss noch nicht mal sonderlich auf den Weg achten, sondern kann beim Laufen die prächtigen Ausblicke genießen.

Trotz seiner 50 km Länge hat der Abel Tasman Track deshalb in unserem Wanderführer die einfachste Wertung (= auch geeignet für Klein Fritzchen, Oma und den Hund – ach nee, den nicht, der könnte ja Kiwis jagen), zumal man sich auch noch an einem beliebigen Traumstrand von einem der vielen Wassertaxen per Boot abholen lassen kann.

Eigentlich hatten wir aber gar nicht vor, den Weg zu wandern: am liebsten hätten wir die ganze Strecke gleich im Kajak zurückgelegt. Leider ließ man uns nicht, da das Wetter zunächst nach rauher See aussah, so dass alle Kajak-Aktivitäten gestrichen waren als wir am Track ankamen.

Also schnürten wir wieder unsere Wanderschuhe und wanderten tapfer in den Nieselregen hinaus. Glücklicherweise hörte der schon am ersten Traumstrand, dem Coquille Beach, wo wir unsere obligatorische 12-Uhr-Apfelpause machten, auf. Und als wir kurz darauf am Appeltree Beach ankamen (ja, bis dahin hätten wir mit der Apfelpause eigentlich auch noch warten können), gabs schon wieder Sonnenschein.

Der Weg führt die ganze Zeit an der Küste entlang, meistens hoch über den Stränden, zu denen man dann absteigen kann, um seinen Apfel zu essen, sein Zelt aufzuschlagen – oder Wasserski zu fahren. Es wirkt schon ein wenig absurd, wenn man nach einigen Stunden Wanderung am Strand auf eine mit Bojen markierte Wasserskirinne trifft, aber wenn ruhige See und Sonnenschein ist, dann ist hier eine Menge los.

Wir verbrachten die erste nacht in der Anchorage Hut, die, wie der Name schon sagt, an einer geschützten Bucht liegt. Captain Cook ist hier nur durchgesegelt, aber einige französische Entdecker haben, geschützt von den vor der Küste liegenden kleinen Inseln, Halt gemacht und die Gegend erkundet. Der Strand vor der Anchorage Hut lud zum erfrischenden Bad vor dem Abendessen, und das Meer war auf jeden Fall wärmer als der Lake Mackenzie auf dem Routeburn Track!

Der nächste Morgen begrüßte und mit strahlendem Sonnenschein, so dass wir unsere Rucksäcke in der Hütte ließen, um die Halbinsel, an der die Hütte liegt, zu erkunden. Wir wurden mit wunderbaren Ausblicken bis zu den Marlborough Sounds und einem weiteren idealen Badestrand belohnt, der auch nicht ungenutzt blieb.

Natürlich sahen wir auch Kajakfahrer und hätten am liebsten ein Boot gekapert – nunja, stattdessen machten wir noch einige Umwege über eine weitläufige Flussmündung bei Niedrigwasser (nennt man das dann auch Watt?).

So kamen wir zu einem entzückenden Wasserfall, der sich über rundgeschliffenen Felsen ein eigenes kleines Schwimmbecken geschaffen hatte, weswegen der Flecken „Cleopatra’s Pool“ genannt wird. Dort war das Wasser denn auch wieder einiges käter, eher auf Lake Mackenzie-Niveau.

Diese Umwege hatten doch einige Kraft gekostet, deswegen waren wir froh, als wir in der Bark Bay ankamen, unserer nächsten Station. Auch diese Bucht wird wesentlich von einer Flussmündung geprägt, so dass der Hütte eine große Sandbank vorgelagert ist, die bei Niedrigwasser einen riesigen Strand vor der Hütte bildet. Allerdings kann es so beim Schwimmen auch mal vorkommen, dass man gar nicht vorwärtskommt, weil das Wasser gerade aufläuft.

Da es noch immer warm war und die Hütte realtiv klein ist, hielten wir unser Abendessen draußen ab – und lockten mit unserer Dessert-Schokolade, als es dunkel wurde, prompt ein Opossum an. Seit Wochen werden wir vor disen possierlichen Tieren gewarnt, weil sie alles fressen, was man unbeaufsichtigt im Freien läßt, gesehen hatten wir sie bisher aber nur am Straßenrand in einem Zustand, der nur dem Kleinen Tierfreund vom Frühstüxradio Freude machen würde (soll heißen zweidimensional). Solchermaßen gewarnt packten wir also alles sorgfältig ein.

Inzwischen war das Wetter stabil sonnig, so dass es uns in den Fingern juckte, endlich noch einmal ein Kajak anzuheuern. Leider konnt man unterwegs keine mieten, also entschlossen wir uns kurzerhand, die dritte Hütte auslassen und gleich zum Ende des Tracks durchzulaufen, von wo uns das Wassertaxi zurück zum Ausgangspunkt bringen sollte.

Der letzte Tag waren sowieso nur 2 Stunden Laufzeit gewesen. Außerdem hätten wir auf der Hütte bis zum nachmittäglichen Niedrigwasser warten müssen, um die dortige Flussmündung durchqueren zu können. Also sparten wir uns einen Tag, indem wir früh genug aufbrachen (und die Apfelpause verkürzten), um am Nachmittag dort zu sein.

Die Flussquerung war etwas unangenehmer als eine Wattwanderung, weil sie im wesentlichen über Muschelbänke führt, die das Laufen zu einer eher unbequemen Angelegenheit machen. Und Badestops gabs nun nicht mehr, aber wir sollten am nächsten Tag noch nass genug werden...

Alles paradiesisch - wenn nur die Muscheln nicht so pieksen würden...

Als wir an unserem Endpunkt in Totaranui ankamen, mussten wir noch ein bisschen um unser Wassertaxi bangen, da wir unsere Plätze ja für den nächsten Tag gebucht hatten. Glücklicherweise gibt es diverse Boote, die die Strände ansteuern, und so kamen wir sogar noch rechtzeitig zurück, um unser Kajak für den nächsten Tag zu buchen.

Dazu mussten wir mal wieder früh aufstehen, um das obligatorische Sicherheitstraining mitzumachen. Das erwies sich dann doch als ganz nützlich, denn der Wind und die Wellen sind auf dem Meer dann doch etwas stärker und hartnäckiger als auf der mecklenburgischen Seenplatte... Nun konnten wir die Küste, die wir zuvor entlanggewandert waren, vom Boot aus bewundern – und, was noch viel toller war, auch zu den Inseln rüberpaddeln.

Auf den Felsen an den Enden der Inseln sonnen sich gern Robben, und hier trafen wir auf eine kleine Kolonie mit Jungen, die versuchten, ihren Müttern hinherherzurobben – allerliebst. Eine Robbe spielte direkt vor uns im Wasser, einmalig – da ist man mit dem Kajak natürlich näher dran als in jedem Motorboot. Benny hatte ja insgeheim gehofft, sie würde auf unser Boot springen, aber das tat sie dann doch nicht. Wahrscheinlich war sie dazu schon zu erwachsen...

faule Robbe

aktive Robbe

Den Rest unserer Zeit bevor wir zurück mussten verbrachten wir auf der Insel an einem Strand mit schwarzem Sand, der sich mit der Zeit aufheizte und so ein warmes und dazu windgeschütztes Plätzchen bot. Es war zwar ein sonniger Tag, aber dann doch ganz gut windig.

Das bekamen wir auf dem Rückweg zu spüren: Zunächst waren wir noch von den Inseln geschützt, aber gegen Ende mußten wir über eine langgezogene Bucht paddeln, um unser Kayak zum Ausgangspunkt zurückzubringen. Es war nicht unbedingt stürmisches Wetter, aber ein böiger Wind schräg von vorne, der das Paddeln extrem anstrengend machte und auch gerne mal versuchte, einem das Paddel aus der Hand zu reißen.

Da lacht er noch...

Als wir nach der nicht enden wollenden Paddelei, während der der Strand einfach nicht näher zu kommen schien, endlich beim Wagen unserer Kajakvermietung ankamen, waren wir doch ziemlich nass und ganz schön durchgepustet. Wer auch immer mal mit uns im Mecklenburgischen paddeln geht und sich beschwert, wenn es auf einem der größeren Seen windig wird, wird von uns nur noch zu hören bekommen: „Das ist gar nicht gegen die Böen damals am Abel Tasman!“

Trotz allem machten wir uns, als wir wieder trocken waren und etwas ausgeruht hatten, noch auf die Weiterfahrt gen Ostküste. Dabei kamen wir durch Nelson am Nordende der Südinsel. Dort gab es ein so sympathisches Hostel und der Ort machte einen so netten Eindruck (und wir waren so müde), dass wir einfach dort blieben, um uns am nächsten Tag mit dem Notwendigsten für die Weiterreise einzudecken: Büchern und Schokolade :o) Inzwischen sind wir an der Ostküste angelangt, in Kaikoura, und warten darauf, mit den Delphinen schwimmen zu gehen oder Wale zu sehen. Und dann gehts Richtung Nordinsel!

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