Freitag, 20. Februar 2009

Routeburn, Baby, Routeburn!

Fjordland meinte es weiterhin gut mit uns: Nach einer ausgiebigen Tour durch die Informationszentren und Outdoor-Läden von Queenstown begrüßte uns der Morgen unseres ersten Wandertages mit Sonnenschein. Natürlich wird hier für die Wanderer genauso gesorgt wie für die Bungee-Springer und die Wildwasser-Fahrer, und so brachte uns ein Shuttle-Bus zum Ausgangspunkt des Routeburn Tracks in der Mitte von nirgendwo. Dort waren wir zwar alles andere als allein, und auf der ersten spektakulären Hängebrücke, die nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt ist, kam es prompt zum Stau, aber auch dem Weg verlief sich der Auftrieb. Die meisten Mitwanderer sahen wir abends auf der Hütte wieder, und am Abend darauf, und am Abend darauf auch…

Der Weg führte uns zunächst durch den für Neuseeland typischen ursprünglichen Wald, wo die Vögel neugierig auf uns zu hüpften – es fiel ihnen gar nicht ein, wegzufliegen, stattdessen spreizten sie das Gefieder und ließen sich ausgiebig bewundern. Mittags kamen wir zu den Routeburn Flats, einer Hochebene mit ersten dramatischen Ausblicken auf den nächstgelegenen Schneeberg und dem hier ruhig dahinplätschernden Fluss Routeburn, der dem Track seinen Namen gibt.

Von hier sollte der erste Anstieg losgehen, und voller Elan schulterten wir unsere Rucksäcke und stapften los. Reden wich Keuchen und langwierige Begrüßungen von entgegenkommenden Wanderern einem kurzen „Hi“ – und dann waren wir auch schon oben an der Hütte. Das war mal schneller gegangen als gedacht. Da wir nun schon die Betten und alles für die Nacht geregelt hatten, konnten wir es dabei natürlich nicht belassen und keuchten nochmal eine dreiviertel Stunde – ohne Gepäck – den Berg hinauf, um einen noch großartigeren Blick zu erhaschen, was auch gelang.

Da es auf den Hütten keine Duschen gibt, beschränkt sich das Stillen der nötigsten Bedürfnisse auf Kochen und Schlafen – und damit wird der Abend denn auch gefüllt. Bewirtung gibt’s nicht, man muss also alles, was man zu sich zu nehmen gedenkt, auch schleppen – und Mülleimer gibt’s auch nicht, man muss also alles, was man an Abfall verursacht, auch wieder mitnehmen. Und um 10 geht das Licht aus, danach ist man auf seine Taschenlampe angewiesen. Alle diese Umstände sorgen dafür, dass man auch beim Lesen höchstens ein paar Kapitel weit kommt, dann übermannt einen der Schlaf.

Am nächsten Tag gings erst richtig los: Die Baumgrenze hatten wir schon hinter uns gebracht, nun lag der Harris Sattel, der Gipfel des Conical Hill und der anschließende Bergrücken vor uns. Wir freuten uns sehr über den strahlenden Sonnenschein, der uns vom Gipfel aus grandiose Fernsicht bis zur Tasmanischen See ermöglichte.

Bei der Wanderung über den Rücken brannte uns die liebe Sonne aber zunehmend auf unsere selbigen, so dass wir an einem zugänglichen Bergbach schließlich die Wanderschuhe auszogen und unseren Füssen eine wohlverdiente Abkühlung gönnten.

Weiter gings durch eine alpine Landschaft wie aus dem botanischen Garten, bis wir endlich die nächste Hütte am See Mackenzie zu Gesicht bekamen – allerdings sehr weit unten im Tal. Und der Weg zog sich noch über so einige Serpentinen und dann Waldwege. Als wir endlich unten waren, nutzten wir den See zu einem Bad – oder vielmehr einem kurzen Eintauchen, bevor uns die Eiseskälte des Gletscherwassers wieder hinaustrieb. Aber immerhin fühlten wir uns fast wie frisch geduscht.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, hingen die Wolken sehr tief und hoben sich erst langsam, als wir im Lauf des Vormittags zum Earland Wasserfall kamen: Man konnte förmlich zusehen, wie der Nebel unter der Sonne auf dem Wald aufstieg und sich die Wolken auflösten. Wir kamen so frühzeitig an unserer nächsten Hütte am nächsten See an, dass wir nach unserer Mittagspause noch einen kleinen Weg am See und das Hochtal entlang unternahmen.

Für den letzten Tag war keine große Strecke mehr geplant, da wir am frühen Nachmittag unseren Bus erreichen mussten. Wir konnten sogar noch den örtlichen Gipfel Key Summit besteigen, wo sich allerdings inzwischen die Wolken verdichtet hatten, so dass wir nicht viel sehen konnten. Wir hatten Glück, dass wir bis zu unserem Unterstand im Tal nicht allzu nass wurden.

Unser Bus-Pick-up in der Mitte von Nirgendwo (genauer gesagt in "The Divide") klappte prima. Wie schon vor Monaten bestellt, rollte um kurz nach zwei der Bus auf den Parkplatz am Ende des Routeburn Tracks und brachte uns zu einer Übernacht-Schiffstour auf dem Milford Sound, die wir uns als Entschädigung für die Strapazen in den Bergen gegönnt hatten. Dort haben wir es uns sehr gut gehen lassen, mal wieder richtig geduscht und den Bauch vollgeschlagen (das ging nämlich alles auf den Hütten am Routeburn Track nicht).

nett hier - aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?

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